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Annaberger Bildchronist: Hof-Photograph Albin Meiche

„Annaberg um 1900“ heißt eine Ausstellung im Treppenhaus des Erzhammers, die Fotos vom Königlichen Hof-Photographen Albin Meiche aus Annaberg zeigen, die von Horst Reichel (Foto Mitte) bearbeitet und attraktiv gestaltet sowie von Jörg Heinicke mit Annaberger Liedern trefflich illustriert wurden.
Albin Meiche Ausstellungseröffnung


Kurz nach der Industriealisierung der Fotografie um 1888, bevor noch die Plattenkamera durch den Rollfilm ablöst wurde, hatten sich bereits Fotoateliers in Annaberg etabliert. Zu den ersten der neuen Zunft gehörte 1854 der Daguerrotypist (nach dem fotografischen Verfahren benannt vom Maler und Erfinder Louis Daguerre) Sebald Schramm, der die erste Photographenwerkstatt in Annaberg betrieb. Aber auch Direktor Scherff vom „Bellevue“ oder Paul Müller, der Betreiber der Festhalle und des Kinos „Gloria-Palast“, beschäftigten sich mit der Fotografie. Albin Meiche - Schutzteich
Ab 1860-1947 können folgende Fotografen in Annaberg nachgewiesen werden:
Fritz Hacker (Carlsplatz 5), Fritz Schumann (Atelier wurde später von Föppel und danach von Edelmann übernommen), war von 1882 bis 1886 Königlich Sieamesischer Hofphotograph in Singapur und Bankok, Hugo Hoffers & Co., H.J. Schroeder, Karl Edelmann (Maler und Fotograf), Kurt Langer (Logenstraße 32), Otto Biedermann, Paul Körnig, Paul de Frenes (Johannisgasse 3) und der spätere Königliche Hof-Photograph Albin Meiche, der sein erstes Atelier an der Ecke Zick-Zack-Promenade/Buchholzer Straße betrieb, was teilweise später von seinen Kindern an verschiedenen Standorten in Annaberg, aber meist in der Buchholzer - ab 1946 Ernst-Thälmann-Straße – bis um 1975 weiter geführt wurde.
Die hier ausgestellten Fotos von Albin Meiche (1856 Annaberg -1945 Leipzig) entstammen dem Fotoarchiv des Erzgebirgsmuseums, wo der ehemalige Dipl.-Polygraph und Druckereileiter Horst Reichel ca. 700 Fotos (zwischen 1896-1915) sichtete, einscannte, digital bearbeitete und - mit Unterstützung vom Archivar Frank Dahms - zur sehenswerten Ausstellung zusammenstellte. Albin Meiche BriefAlbin Meiche - Mann
Mit  diesen gut sortierten, aber noch zu wenig beschrifteten Fotos, ist ein sehr informativer Spaziergang durch Alt-Annaberg für alle Generationen möglich. Im Treppenhaus und auf den Etagenflächen des Erzhammers bekommt man einen Einblick in die Jahrhunderte übergreifenden Stabilitäten, Veränderungen und Vergänglichkeiten einer Stadt. Sind hier auch nur Teile von Meiches Arbeiten hauptsächlich zu Annaberger Bauten und Plätzen zu sehen, so gibt die Schau doch einen bemerkenswerten Eindruck wieder vom umfangreichen Schaffen dieses Fotografen mit dem besonderen Blick für das Detail einer Situation oder einer Gestalt. Letzteres kommt in seinen Portrait-Fotos besonders zum Ausdruck, von denen allerdings in der Galerie keine zu finden sind. Arthur und Hermann Lorenz - Lorenzianer  - mit Eltern 1899
Es würde sich daher lohnen, weiter an die Aufarbeitung der noch vorhandenen fast 3.000 Platten und Fotos zu gehen, die einst von Helmut Unger im Erzgebirgsmuseum gesichtet und dem jeweiligen Ereignis zugeordnet wurden.
Wichtig wäre auch, wenn Foto-Leihgaben aus Privatbeständen dem Museum zwecks Digitalisierung zur Verfügung gestellt würden, da nur so ein umfangreiches Bild von unserer Stadt um 1900 geschaffen werden kann.
Erinnert sei dabei auch an die Fotoarchive der Nachfahren von Albin Meiche, der neun Kinder hatte und von denen drei teilweise noch bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Annaberg Fotogeschäfte betrieben haben: Seine Töchter Anna und Gertrud Meiche (Ernst-Thälmann-Straße 53), Erna Meiche (Lichtbildnerin, Ernst-Thälmann-Straße 13) und Sohn Erich Meiche (Atelier für moderne Fotografie, Ernst-Thälmann-Straße 24).
Horst Reichel beschäftigt sich weiter mit dem Annaberger Foto-Chronisten Meiche, um möglicherweise einen Fotoband mit ausführlicheren Textinformationen zu den Bildern herzustellen, als das bei dieser Ausstellung möglich war. Alle erzgebirgischen Heimatfreunde – in Annaberg und in der Welt – sollten dieses Vorhaben tatkräftig unterstützen.

red.