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KÄT - Gedichte

Das größte Volksfest Sachsens, die Annaberger Kät, das auf eine Wallfahrt/Prozession und einen Markt zum Trinitatisfest (Dreifaltigeitsfest) vor fast 500 Jahren zurück geht, ist auch mehrfach bedichtet worden. In der Mundart heißt das Fest Dreifaltigkät oder Dreifaltigkaat, so dass sich bei den sprechfaulen Erzgebirgern nur noch die letzte Silbe „KÄT“ (oder Kaat) für dieses alljährliche Gaudium erhalten hat. Kät 1
Einige unserer Heimatdichter waren eifrige Kät-Besucher und haben ihr ein paar Verse gewidmet, die aus den Jahren 1964 vom Erzgebirgsoriginal/Erfinder/Kaufmann und Poet Arthur Schramm, 1930 vom Heimatdichter und Theater-Intendant Hanns Heinz Kämpff, 1912 von der Heimat-Schriftstellerin Anna Wechsler oder von der Annabergerin Karin Schilling, die in Dresden lebt, aus dem Jahre 2012 stammen - und immer wieder kommen neue Gedichte hinzu. Kät 2

Wo bleibt Ihr Gedicht oder Ihre Kät-Geschichte?? Senden Sie Ihren Text zur Veröffentlichung an

redaktion@annaberger.info

 


Es Watter zer Kaat

Von Manfred Pollmer (um 1950)

In Annaberg zer Kaat, ihr Leit,
do regnt´s meitog wie net gescheit.
Un hot´s gergnt der genzen Woch,
regnt´s manichsmol sechs Wochen noch!

Wie´s Watter werd of unnern Flack,
dos wass mer abn net vornewag!
Wie´s Watter werd? Na, giehts ner wag!
D ärgert sich dr Mensch ze Drack!
Noch schlimmer aber, denkt eich när,
wärsch, wenn mol gar kaa Watter wär!
 

Kät-Tradition

Ich gehe jedes Jahr auf diese Kät,
aber langsam wird sie mir zu blöd.
Nur noch Krach und Rummdibumm,
das macht den Klügsten mehr als dumm.

Kein Festzelt und kein Hypodrom,
Bratwurschglöckl war auch schon
vor vielen schönen Jahren
als man noch Kreolin konnt´ fahren.

Heut geht es nur noch um das Geld
auf dieser wertefreien Welt.
Es läuft im altbekannten Stile:
Die Kät ist nichts als Brot und Spiele.

Ein Ventil für die Proleten,
die dann ihre letzten Kröten
im Krach und Lichterblinken
verspielen und vertrinken.

Doch wer mag es noch das Fest,
wo von Dreifaltigkeit der Rest
ist nicht mehr zu entdecken?
Stattdessen Rummel voller Schrecken.

Herzog Georg steig hernieder
und schau doch mal auf diese Brüder
die deinem gutgemeinten Fest
jährlich verpassen ihm den Rest.

Ich geh auch dieses Jahr zur Kät,
obwohl sie mir wieder viel zu blöd.
Auch wenn man mich jetzt richtet:
Egal, - Tradition verpflichtet!

Bernd L.


Auch im Buchholzer Nationallied kommt die KÄT vor:

Das Buchholzer Nationallied

In Buchholz da is es schie,
do ka mer Booden gieh.
Denn gleich nabn Stangewald,
do is de Boodanstalt.
Un war net schwimme kah,
hält an der Stang sich ah.
Un drübn im weißen Sand
Sitzt allerhand:
De Wätätä!
(Dieser Buchholzer Schlachtruf ist immer vor dem Refrain auszustoßen!)

Refrain:

Dr Astel Paul, dr Augustin,
de Kokusnuß, dr Zacherlin,
dr Wicht, dr Pui, dr Kaden Schütz,
de Baumel un dr Andelfritz,Buchholzer Originale 2
dr Hübner Thet, de Schmidel Pfeif,Buchholzer Original
dr Wolf Max un dr Schneider Helm,
de Schleich, dr Aff, dr Fröhner Otto –
die warn a mit do!
 
Vor mehrern Gahrn konnt mer hie
Ins Waldtheater gieh.
Do fraat sich Gruß un Klaa,
ne Tell sich ahzesah.
Dos war ä schienes Stück,
doch hatten se kä Glück,
denn als Statisten konnten se dort sah:
Refrain:

Hot mer´s Theater satt,
giehts in de öbre Stadt.
Mer fährt dann mit dr Bahn
vom Bayrschen Bahnhuf an.
Nu giehts de Kühwad hie,
dr Zug blebt plötzlich stieh.
Beim Engert Gustav nei,
do rammelt glei:
Refrain:

Un nu zu guter letzt
giehts off´n Kirchhof jetzt,
do muß ne Hochzich sei,
Sperrguschn stelln sich ei.
Es fängt zu Lauten ah,
un an denn Brautzug dann,
do schließt sich an:
Refrain:

In Annebarg zur Kath,
do giehts vu früh bis spat,
do zieht sich alles hie,
es wird gesumpft bis früh.
Na, kommen sie mal ran,
hier sitzt ne Riesendam
un drübn im Hypodrom
da reiten schon:
Refrain:

Druhm rümm in Wiesenthol,
da sei de Leit wie toll.
Un of dann Fichtelbarg,
do is ä gruß Gewarg,
do fahrn de Sportzüg nauf,
vu Chamtz do unten rauf,
denn heit gibt’s uhm ze sah
gar Vielerla:

Refrain:
Dr Astel Paul, dr Augustin,
de Kokusnuß, dr Zacherlin,
dr Wicht, dr Pui*, dr Kaden Schütz*,
de Baumel un dr Andelfritz*,
dr Hübner Thet, de Schmidel Pfeif,
dr Wolf Max un dr Schneider Helm,
de Schleich, dr Aff, dr Fröhner Otto –
die warn a mit do!

Kät

Kät-e Gedanken an eine Freundin

Hallo, liebe Käte,
hier gibts Fischbuletten ohne Kräte.
Doch möglichst nach der Schlickerbahn;
sonst wirds feucht im Wackel-Kahn.

Mir fehlt das Fischbrotl zum Ditschen,
dafür gibts ne Menge Flittchen,
Doch das Kaspertheater fehlt,
mit dem Seppl, was mich quält.

Lilliputens tolle Schau,
viele Kerle waren blau.
Boxen mit dem stärksten Mann,
Reiten im Zelte, wer das kann.

Hippidrom, mit Bier und Musi,
abends Busseln mit dem Gspusi.
Welsch-Eis hieß das Leckerli,
vollgekleckert, war das schie!

Doch um Achte gings e´Heeme,
Kät 4mal zu zweet und mal alleene.
Denn der Vater wollte wissen.
wen die Tochter fei könnt küssen.

Auf dr Kät gings lustig zu,
Opa wollte seine Ruh
und setzt´sich ins Bratwurschtglöckl,
Mutter sucht am Schuh den Stöckl.

Der liegt in der Walzerfahrt,
weil se nicht zu bremsen ward.
Doch am Sonnamd krachts am Wald,
Feuerwerker zündeln halt
 
Knaller, Böller und Raketen,
hat de Kät erfasst ein jeden,
der es noch nicht recht geschnallt,
diese Fete ist schön alt.

Heuer 4 hundert 93 Lenze.
Doch sie beibt doch jung in Gänze,
weil von Dörfern und der Stadt
jeder seine Freude hat.

Und so soll es immer sein!
Nostalgischer wäre fein:
Mit Puppen, Reiten, Mann und Weib
und  Dame ohne Unterleib!

Wenn das Wetter macht noch mit,
mittwochs geht Familie Schmidt,
denn da ist Familientag.
Preise heute wen´ger Plag.

Lose kaufen muss noch sein,
Nieten wern schu drinne sein.
Gewinne aus dem Kitschregal,
auf dem Rummel ist´s egal.

Sind nu alle dann k.o.,
Mutter war noch auf dem Klo,
wiss mer dann, was allen klar:
wieder Kät im nächsten Gaar.

ES


kät - gedanken
von karin schilling (2012)

ein stück verrücktheit wie grade eben
kann ein gefühl von freisein geben
und sei es nur ein paar sekunden
es gibt doch kraft für viele Stunden
wenn durch die luft wir lachend fliegen
da kann trübsal uns nicht kriegen
unsre gedanken wie der wind
die sehnsucht in den himmel schwingt
so kann uns viel im leben geben
ein stück verrücktheit wie grade eben

 

Zur 444. Annaberger KätKaet 1953
Von Arthur Schramm (1964)

Des Erzgebirges schönstes Fest,
Das ist doch unsre Kät,
Die alle fröhlich werden läßt.
Welch Jubel früh und spät.

Vielhundert Jahre ist sie alt
Und bleibt doch immer jung;
Zeigt sich in mancherlei Gestalt,
Ergötzt durch Abwechslung.

Ein Volksfest von besondrer Art,
Die Annaberger Kät,
Hat ihren Rang und Ruf bewahrt,
Sie jung und alt einlädt.

Es wälzt ein dichter Menschenstrom
Sich durch die Reihen hin,
Zur Achterbahn, zum Hippodrom,
Ich selbst bin mittendrin.

Doch muss stets gutes Wetter sein,
Im Regen fällt sie flach,
Sonst sieht sie täglich groß und klein,
Vor Regen schützt ein Dach.

Die einen ziehts zum Bierzelt hin,
Die andern schießen gehen,
Wie vielfältig der Menschen Sinn,
Ist Vielfalt hier zu sehn.

Doch auch Kultur kommt nicht zu kurz,
Gesang, Musik sich paarn,
Macht schnell hier euren Kassensturz,
Wollt gut zur Kät ihr fahrn.

Von weit her kommt das Volk hinzu,
Die Schlange reißt nicht ab,
Das Feuerwerk ist dann der Clou,
Den letzten Schliff ihr gab.

Doch vorher seht euch alles an,
Was hier geboten wird,
Da ist doch wirklich alles dran;
Wer´s nicht glaubt, der sich irrt.

Und Attraktion auf Attraktion
Reiht sich in Reih und Glied,
Der Trink- und Imbißbuden Lohn
Ist, dass er alle zieht.

Das ist die Annaberger Kät,
Ein Schmuckstück unsrer Stadt,
Wenn manche andre Stadt sie hätt,
wie Annaberg sie hat

Ich grüß dich drum mein Annaberg,
Ich grüße froh die Kät,
Und richte stets mein Augenmerk,
Auf dich, Stadt, früh und spät.


Annaberger Kät
Aus der historischen Revue „Annaberg - für Dich“ von Hanns Heinz Kämpff und Bernhard Münch um 1930Kaet 2

Jede Stadt hat ihr Pläsier,
wo das Volk bei Wurst und Bier,
kommt der Sommer erst heran,
sich vergnügen soll und kann.
Vogelwiese, Schützenfest,
so was hat doch jedes Nest!
Doch die grösst´ Spezialität
ist die Annaberger Kät!

Pfeifen, Knarren und Gequiek,
Schreien, Quietschen, auch Musik,
Schmalzgeruch und Würstelduft
füll'n bei Tag und Nacht die Luft.
O wie schön ist solch Geschrei!
Doch wer wohnet nahebei
ist entsetzt und stöhnt und fleht:
O die Annaberger Kät!

Allerlei ist hier zur Stell':
Alle Arten Karussell,
Achter-, Rutsch- und Tunnelbahn,
Hippodrom und Schaukelkahn,
Krinoline, Riesenrad
wird benutzt von Gung und Maad.
Jede Art von Bahn sich dreht
auf der Annaberger Kät!

Wachsfigurenkabinett,
Riesendamen, zierlich, nett,
Zaub'rer und dressierte Hund',
Schauerdramen, grell und bunt.
Zirkus und Theater gar
spielt uns Liliput die Schar.
Das und noch viel mehr ihr seht
auf der Annaberger Kät!

Hast die Sinne du ergötzt,
wird der Magen nun geletzt.
Kaffee, Kuchen, Wein und Bier,
Zucker, Sahne, kaufst du dir.
Saure Gurken, Aal und Eis,
Limonade, kalt und heiß,
dir dort zur Verfügung steht
auf der Annaberger Kät!

Auch dem Glück gibt man die Hand,
spielt um Sessel, Bälle, Tand,
wirft und würfelt, raadst und schießt
um Gewinne, die du siehst.
Doch das schönste Raadsen wär'
ein recht großer Teddybär!
Den hat niemand noch verschmäht,
auf der Annaberger Kät!Kaet 1


Annebarger Kät-Lied
Heimat-Schriftstellerin Anna Wechsler (1862-1922), gedichtet 1912 und von Alfred Lehmann vertont (Auszug):

Im Arzgebirg, weit imedim, bis nei ins Böhmerland,
do is de Annabarger Kät vu altersher bekannt!
E Volksfast, wie´s kah gresersch gibt, dos is de Kät bestimmt,
un wie e Wallfahrt nimmt sichs aus, wenn´s Volk gezuung kimmt!
Ja, wenn de Maibaam blühn, wenn de Maibaam blühn, is Annebarger Kät,
do freet sich Alt, do freet sich Gung, free´n Bossen siech un Maad!
Worüm? Dos wissen se salbescht net, fr alte Zimmt jeds Gahr,
´sis ner, daß mr de Pfeng lus werd un in Gewärg miet war!

Fotos von oben nach unten: Annaberger Kät 1953, 1955 und 1942 u.a. Archiv Annaberger Wochenblatt)

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