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Musikalischer Historismus
Die Erzgebirgische Philharmonie Aue überzeugte mit Tschaikowski und Rachmaninow unter der Stabführung von GMD Naoshi Takahasi sowie mit dem exzellenten Solisten Julian Riem, enttäuschte aber umso mehr mit einer Uraufführung von Schmidt-Kowalski, dessen pathetisch-eklektizistische Musik von vorgestern ist.
28.03.12 - Mit großem Einfühlungsvermögen ließ GMD Naoshi Takahashi mit Tschaikowskis Romeo und Julia-Phantasie die zarten und gewaltigen Bilder des Shakespeare-Dramas musikalisch vor einem begeisterten Publikum erstehen. Das Orchester schwelgte in dieser berauschenden Musik, die Bläser spielten – insbesondere im Finale des Werkes – zur Höchstform auf.
Nicht anders verhielt es sich mit der Rhapsodie über ein Thema von Paganini, das Sergej Rachmaninow für Klavier und Orchester bearbeitet hatte und am vergangenen Montag vom Pianisten Julian Riem (Foto) mit Kraft, Eleganz und Brillanz interpretiert wurde. Der aus München stammende weltläufige Künstler, der zur Zeit, neben seiner umfangreichen Gastspieltätigkeit, als Lehrbeauftragter an der Musikhochschule seiner Heimatstadt und am Augsburger Leopold-Mozart-Zentrum wirkt, bot ein Feuerwerk an Rhythmen und Klangfarben, wie sie – trotzt der italienischen Motivvorgabe – offenbar nur russischer Musik zu eigen sein kann. Mit stürmischen Applaus, Bravos und einer Zugabe bedankte sich das Publikum bei diesem Jungen Pianisten, dem man auch weiterhin eine überaus erfolgreiche Künstlerlaufbahn voraussagen kann.
Die so genannte Uraufführung nach der Pause hätte man sich selbst und erst recht dem Orchester ersparen können. Insbesondere angesichts der beiden starken Werke, die vor der Pause meisterlich vom Orchester und seinem GMD interpretiert wurden, war das ein Abfall ins Bedeutungslose, obwohl auch dabei der Klangkörper sein Bestes gab. Nur wofür?
Der 1949 in Oldenburg geborene Thomas Schmidt-Kowalski nervte das Publikum mit seiner 5. Symphonie in c-moll, (s)eine Art Schicksalssymphonie („Es ist meine persönliche Bewältigung schicksalhafter Bedrängnis in schwieriger Zeit“, - wie er schreibt). Wie man eine Partitur schreibt, das weiß er, und die Orchestrierung beherrscht er auch - als reines Handwerk. Aber ist Handwerk schon Kunst, oder doch eher Kunsthandwerk, gefällig zwar, aber ohne Belang?
Aus seinem symphonischen „Kessel Buntes“ erklingen Mendelssohn, Liszt, Reger, Pfitzner, Bruch, Mahler, Bruckner und andere hindurch oder mitunter recht direkt. Und das alles mit Pathos garniert und mit Schwulst abgeschmeckt. Wer Beispiele für musikalischen Eklektizismus oder Historismus sucht, - bei Schmidt-Kowalski wird er fündig. Dieser Mann aus Oldenburg ist ein Komponist von gestern, der eine Musik von vorgestern komponiert, die nicht im Geringsten als zeitgenössisch bezeichnet werden kann. Es sei denn, das verhalten applaudierende Publikum war der Meinung, dass darin ihre Zeit, in der sie jeweils leben, widerspiegelt wird, - auch das ist dann mit diesem musikalischen Elaborat möglich. Und dann wäre sie schon wieder modern, was uns aber nachdenklich machen sollte...
G.B.S.
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